Darf ich euch Carolin Cleusters vorstellen!


Ich blätterte kurz in einem Blättchen vom Bioladen, um noch ein paar Rezepte fürs Kochen zu finden. Da blieb ich an einem Bild hängen, das als Aufmacher für einen Text hinterlegt war. Ganz eindrucksvolle Fotografien in schönem Licht. Im Text ging es um eine Frau, die so viel stärker die Dinge im Alltag empfindet, als ihr Partner. So weit so gut, nichts ungewöhnliches - doch das Kleingedruckte am Rande des Artikels, dass sich eine Autorin und neben ihr ein Forschungszweig mit einem bestimmten Thema beschäftigte, dass sich „Hochsensibilität“ nennt, war mir neu.


Einen Tag später besorgte ich mir das Buch und las das, was mir als Phänomen schon lange vertraut war, jetzt aber endlich einen Namen hatte. Wer mir da alles aus meiner Verwandtschaft, früherem und heutigem Freundeskreis und Kollegen-Team beim Lesen durch den Kopf ging mit all den besonderen, angenehmen, aber auch ulkigen Eigenheiten – fand ich am Eindrucksvollsten.


Es war wie ein Befreiungsschlag, es fiel mir wie Schuppen von den Augen:

In den Situationen, wo ich länger brauche für eine Entscheidung, wo ich länger hadere vor lauter Abwägen von bestimmten Möglichkeiten, bin ich einfach stark damit beschäftigt, was die Konsequenzen für mich und andere sein könnten.

Wo ich nicht spontan mit der Sprache herausrücke, beschäftigt mich innerlich, was meine Worte mit meinem Gegenüber machen.

Wenn ich aus einer Großgruppe herauskomme, brauche ich eine Pause. Mitteilungen von Einzelnen, Gefühlsstimmungen anderer Teilnehmer und die Atmosphäre in der ganzen Gruppe bewegen mich so stark, dass ich mich erst wieder darauf besinnen muss, was meine Meinung zu einem Thema ist.

Ein Ausflug in eine Großstadt endet auf jeden Fall mit Kopfweh und lautem Getöse in den Ohren, wenn es wieder still um mich herum ist. Die Eindrücke aus Galerien, Geschäften und von den Menschen verarbeite ich oft beim Malen von Bildern.


Ja, auch ich habe den Satz „Leg doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage!“ oft hören müssen. Doch: Ich kann und will mich nicht umkrempeln. Im Gegenteil: Mir hilft es heute in der Arbeit mit besonderen Kindern und ihren Eltern zwischen den Zeilen einiges herauszuhören, was man nicht „testen“ oder in Schulnoten erfassen kann.


Und wie wunderbar, dass es so viele Menschen gibt, die sehr feinsinnig die Umgebung wahrnehmen können!


Ich freue mich auf den Austausch mit Gleichgesinnten!



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